Nachschlagen

Glossar

Die Geschichte selbst bleibt bewusst knapp erzählt – die Details stehen hier. Ein Nachschlagewerk der Begriffe aus Mailbox-, Amiga- und Telekomwelt, laienverständlich erklärt. Die verlinkten Begriffe im Fliesstext der anderen Seiten führen direkt zum passenden Eintrag.

Mailbox-Grundlagen

BBS / MailboxBulletin Board System
Ein Computer, in den man sich per Modem über die Telefonleitung einwählte – wie eine digitale Pinnwand mit Nachrichten, Software zum Herunterladen und Foren, lange bevor es Internet im heutigen Sinn gab.
SysopSystem Operator
Der Betreiber einer Mailbox – kümmerte sich um Technik, Inhalte und Regeln, vergleichbar mit dem Administrator einer heutigen Website.
User
Person, die sich in eine Mailbox einwählte und sie nutzte.
Access-LevelZugriffsstufe
Jeder User hatte eine Stufe, die festlegte, wie viel er durfte – wie lange und wie oft pro Tag, welche Bereiche und welche Download-Ratio. Neue Anrufer starteten unten, wer beitrug oder bekannt war, stieg auf. Bei Empire BBS trugen die Stufen aus Spass McDonald’s-Namen: von NewUser und HappyMeal über McChicken, FishMac und BigMac bis hinauf zum Sysop-Level BurgerKing.
Door / Türprogramm
Ein externes Zusatzprogramm, das die BBS-Software über eine definierte Schnittstelle startete – etwa Online-Spiele, Datenbanken oder Umfragen. Der User verliess kurz das Hauptmenü und „ging durch eine Tür“ in ein anderes Programm.
Bulletins
Aushänge und Rundmitteilungen des Sysops, die jeder beim Einloggen lesen konnte – Neuigkeiten, Regeln, Ankündigungen. Wie ein schwarzes Brett am Eingang.
RatioUpload/Download-Ratio
Regel auf vielen Mailboxen, wonach man im Verhältnis zum Heruntergeladenen auch selbst Dateien hochladen musste – sollte verhindern, dass nur „abgesahnt“ wird.
Leech / Leecher
Jemand, der möglichst viel herunterlädt, ohne selbst beizutragen. Die Ratio sollte genau das eindämmen; „Top Leecher“-Listen führten die fleissigsten Downloader auf.
Public Domain / Shareware
Frei kopierbare Software. Public Domain war völlig frei nutzbar, Shareware durfte man testen und sollte bei Gefallen eine kleine Gebühr zahlen. Solche Programme bildeten einen Grossteil des Datei-Angebots einer Mailbox.
Xenolink / AmiExpress / Paragon
Verschiedene BBS-Software-Programme für den Amiga, mit denen eine Mailbox betrieben wurde – ähnlich wie heute unterschiedliche Software für Website oder Server. Empire BBS durchlief Paragon, kurz AmiExpress und schliesslich Xenolink. → Vertiefung
ANSI / ASCII (-Grafik)
Zwei Arten, wie auf alten Bildschirmen Text und einfache Grafiken dargestellt wurden. ASCII nutzt nur reine Textzeichen, ANSI zusätzlich Farben und Sondercodes für aufwendigere „Bildschirm-Kunst“ – typisch für den visuellen Charme alter Mailboxen.
AUGL-MailboxAmiga User Group Liechtenstein
Die Mailbox der Amiga User Group Liechtenstein. Hier wählte ich mich 1989 zum ersten Mal überhaupt in eine Mailbox ein, mit dem geliehenen Supra 2400.

Netzwerke & Mail

Fidonet
Das bekannteste weltweite Netzwerk zur Vernetzung privater Mailboxen in den 1980er/90er-Jahren. Nachrichten wurden Schritt für Schritt von Mailbox zu Mailbox weitergereicht (Node → Hub → Net-Koordinator), bis sie ihr Ziel erreichten – oft in wenigen Tagen, damals beeindruckend schnell. Jedes System hatte eine eindeutige Adresse nach dem Schema Zone:Net/Node.Point – Empire BBS war 2:301/416, über die Jahre kamen weitere Node-Nummern für die einzelnen Leitungen dazu (etwa 417 und 472). → Vertiefung
Node
Ein einzelnes Mailbox-System innerhalb eines Netzwerks wie Fidonet, mit einer eigenen Adresse.
Point
Ein „kleiner Teilnehmer“ unterhalb eines Nodes, meist eine Privatperson ohne öffentlich erreichbare Mailbox, die sich bei einem Node „andockte“. Gelesen und geschrieben wurde mit einer eigenen Point-Software (bei Empire empfohlen: „Spot“ auf dem Amiga): Man lud die neuen Nachrichten gebündelt herunter, las und beantwortete sie offline zu Hause und lud die Antworten beim nächsten Anruf wieder hoch – das sparte teure Verbindungszeit. → Original-Anleitung
Hub
Eine Verteilstation in einem Mailbox-Netzwerk – sammelt Nachrichten mehrerer Nodes und leitet sie gebündelt weiter, um Telefonkosten zu sparen.
Echomail
Öffentliche, themenbezogene Diskussionsforen im Fidonet, die – ähnlich heutigen Foren oder Newsgroups – per Polling von Mailbox zu Mailbox verteilt wurden. Jeder teilnehmende Node erhielt dieselben Beiträge.
Netmail
Eine private, direkt an eine Person adressierte Nachricht im Fidonet – das Gegenstück zur öffentlichen Echomail und im Prinzip die persönliche E-Mail des Netzes.
Nodelist
Eine regelmässig aktualisierte Liste aller Fidonet-Systeme weltweit mit Adressen und Telefonnummern – das Telefonbuch des Netzes, nach dem die Mailer wussten, wen sie anrufen mussten.
DreamList
Das „Telefonbuch“ der Mailboxszene der Schweiz und Liechtensteins: ein monatliches, praktisch vollständiges Verzeichnis der Systeme in beiden Ländern – mit Telefonnummer, Geschwindigkeit, Sysop, Software und Netzadressen. 1989 von „Byte Rider“ begründet und später von „D-Light“ weitergeführt, verbreitet über Fidonet, Usenet, IRC und das damals noch junge Internet. Empire BBS war darin gelistet – ein unabhängiges Zeitzeugnis der ganzen Szene. → Vertiefung
Polling
Automatischer, meist nächtlicher Anruf zwischen zwei Mailboxen, um neue Nachrichten und Dateien auszutauschen – nachts, weil Telefongespräche da günstiger waren.
Mailer & Tosser
Hintergrundprogramme einer Mailbox: Der Mailer baute die nächtlichen Polling-Verbindungen auf und tauschte die Datenpakete aus, der Tosser sortierte die empfangenen Nachrichten in die richtigen Bretter ein.
Magic Files
Stichwörter, mit denen man bei einem Fidonet-System automatisch eine bestimmte Datei anfordern konnte: Man schickte das Magic-Wort, das System sandte die zugehörige Datei zurück.
Amiganet
Ein internationales Amiga-Mailboxnetz nach Fidonet-Technik, das Amiga-Systeme über Ländergrenzen hinweg verband. Empire BBS war auch hier als Node vertreten (Adresse 39:110/901).
AmiNet
Ein Amiga-Mailboxnetz nach Fidonet-Technik, vor allem im deutschsprachigen Raum – gewissermassen der kleine Bruder des Fidonet. Ich war Mitbegründer (Restrukturierung Oktober 1991); Empire BBS diente als Hub, der die Post ins und aus dem Ausland weiterleitete (Adressen 44:8010/901 und /904). ⚠ Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Amiga-Datei-Archiv aminet.net, welches bis heute online ist.
UUCP
Älteres Übertragungsprotokoll, mit dem Mailboxen Daten und E-Mails austauschen konnten – diente hier als Gateway, um E-Mails ins beginnende Internet zu schicken und zu empfangen.
ParaNet / SFNet
Weitere Mailbox-Netze, in denen Empire BBS Knoten war – auf dem Login-Banner mit eigenen Adressen aufgeführt. Wie Fidonet und Amiganet reichten sie Nachrichten von System zu System weiter.
SWF3-Netz
Gegen Ende der Mailbox-Zeit trat das System unter dem Branding des Radiosenders SWF3 auf; das zugehörige Netz verband Mailboxen aus diesem Umfeld. Technisch funktionierte es wie die anderen Mailbox-Netze.
EHQEuropean Headquarters
Innerhalb von Software-Tausch-/Cracking-Gruppen die zentrale europäische Anlaufstelle bzw. Mailbox einer solchen Gruppe.
Cracker-Gruppe
Lose organisierte Szene-Gruppen, die kopiergeschützte Software knackten und verbreiteten; nutzten teils Mailboxen als Verteilpunkte und hinterliessen in ihren „Demos“ (kleine Grafik-/Musik-Programme) Grüsse an befreundete Systeme.

Modem & Übertragung

ModemModulator-Demodulator
Kurzwort aus „Modulator“ und „Demodulator“. Ein Gerät, das Computerdaten in Töne umwandelte (moduliert) und wieder zurück (demoduliert), damit sie über eine normale Telefonleitung übertragen werden konnten. Die Geschwindigkeit wurde in „Baud“ bzw. später in Kilobit pro Sekunde angegeben (z. B. 2400, 9600, 28.8k) – heutige Internetleitungen sind millionenfach schneller. → Vertiefung
Baud / bps
Masseinheit für die Übertragungsgeschwindigkeit. Streng genommen zählt Baud die Signalschritte pro Sekunde, umgangssprachlich meinte man damit aber meist Bit pro Sekunde (bps). Aus 300 wurden über die Jahre 2400, 9600, 28 800 bps und mehr.
SupraModem 2400
Ein günstiges, weit verbreitetes 2400-Baud-Modem der Firma Supra. 1989 mein erstes Testmodem, auf einer Grillparty ausprobiert. Der Beginn meiner Modemgeschichte, lange vor High-Speed-Verbindungen. → Vertiefung
USRobotics Courier
Eine US-amerikanische Modemmarke, deren „Courier“-Modelle als besonders robust und schnell galten – das Arbeitstier vieler Mailboxen. Die Baureihe deckte den Sprung von 9600 über 14 400 bis 28 800 bps Leitungsrate ab (die serielle Schnittstelle zum Rechner lief mit bis zu 38 400 bps); ein frühes 9600-Modem kostete rund 1000 CHF. Empire BBS setzte gleich mehrere davon ein. → Vertiefung
HST / Dual Standard
HST war ein herstellereigenes Hochgeschwindigkeitsverfahren von USRobotics. „Dual Standard“ (DS) bezeichnete Modems, die sowohl HST als auch den offiziellen Standard beherrschten – auf dem Login-Banner als „HST“ und „DS“ erkennbar. → Vertiefung
ARQAutomatic Repeat reQuest
Die Fehlerkorrektur des Modems. Meldete die Verbindung „CONNECT 28800/ARQ“, war eine fehlergesicherte Verbindung aufgebaut, bei der gestörte Datenblöcke automatisch neu angefordert wurden.
AT-Befehl
Die Kommandosprache, mit der Computer ein Modem steuerten. Jeder Befehl begann mit „AT“ (für „attention“), etwa zum Wählen oder Auflegen. Auch die ISDN-Master-Karte im Amiga liess sich so ansprechen, als wäre sie ein Modem.
DTMFTonwahl
Das Tonwahlverfahren: Jede Taste erzeugt einen eigenen Zweiklang, den die Vermittlung auswertet. Es löste die ältere Impulswahl (das Klicken der Wählscheibe) ab und wählte deutlich schneller.
MNP / V.42 / V.42bis
Normen für Fehlerkorrektur und Datenkompression auf der Modemstrecke. MNP und V.42 sicherten die Übertragung gegen Leitungsstörungen, V.42bis und MNP5 komprimierten die Daten zusätzlich für mehr Tempo.
Zmodem / Xmodem / Ymodem
Übertragungsprotokolle für das eigentliche Hoch- und Herunterladen von Dateien. Zmodem war am beliebtesten, weil schnell und in der Lage, eine abgebrochene Übertragung später fortzusetzen – ein Segen bei teuren, wackligen Telefonverbindungen.
Carrier / Handshake
Der „Carrier“ ist das Trägersignal, über das zwei Modems Daten austauschen; bricht es ab, ist die Verbindung weg („NO CARRIER“). Beim „Handshake“ – dem typischen Pfeifen und Rauschen beim Verbindungsaufbau – handelten die Modems Geschwindigkeit und Verfahren aus.
JR-Comm
Ein beliebtes Terminalprogramm für den Amiga (von Jonathan Radigan). Es steuerte das Modem, stellte die Verbindung her und zeigte den fremden Bildschirm an. Damit wählte man sich in eine Mailbox ein, und ich öffnete es für meine allererste Einwahl.

Amiga & Hardware

Amiga
Eine Heimcomputer-Reihe von Commodore (ab 1985), bekannt für ihre damals herausragende Grafik und ihren Sound. In der Demo- und Mailbox-Szene enorm beliebt – und die Plattform, auf der Empire BBS lief.
Amiga 2000
Das erste „grosse“ Amiga-Modell mit Steckplätzen für Erweiterungskarten – dadurch liessen sich Festplatte, Mehrfach-Serialkarte und mehrere Modems anschliessen. Die erste Maschine der Empire BBS.
Amiga 3000T
Die Tower-Variante des Amiga 3000, leistungsfähiger und gut erweiterbar. Auf ihr lief Empire BBS im letzten Drittel; 2026 wurde gerade dieses Gerät als wertvolles, noch lauffähiges Sammlerstück wiederentdeckt.
Commodore
Der Hersteller von C64 und Amiga. Der Niedergang und Konkurs von Commodore 1994 leitete auch das Ende der Amiga-Ära ein.
C64Commodore 64
Der meistverkaufte Heimcomputer der 1980er-Jahre. Hier 1987 der Einstieg in die Computerei – und zugleich die erste Englischschule über die Spiele jener Zeit.
Commodore C128
Nachfolger des C64 mit mehr Speicher und mehreren Betriebsarten, abwärtskompatibel zum riesigen C64-Software-Angebot. Teil der Gerätesammlung.
Kickstart / Workbench
Das Innenleben des Amiga: „Kickstart“ ist die fest eingebaute Firmware (das ROM-Betriebssystem), „Workbench“ die grafische Bedienoberfläche darüber – grob vergleichbar mit BIOS und Desktop späterer PCs.
Assign
Ein Grundbegriff des Amiga-Betriebssystems: ein frei gewählter Name, der auf ein Verzeichnis zeigt. Statt eines festen Pfads wie „DH0:Xenolink/Daten“ sprach ein Programm einfach „XENOLINK:“ an. Beim Hochfahren setzte das System eine ganze Reihe solcher Zuweisungen, sichtbar als Liste auf dem Bildschirm. Grob vergleichbar mit einem gemappten Laufwerksbuchstaben oder einem symbolischen Link. → Vertiefung
SCSI
Eine schnelle Schnittstelle, über die Festplatten und andere Geräte am Amiga angeschlossen wurden. Auf einer solchen SCSI-Platte des Amiga 3000T lagen die rund 34 000 Mailbox-Nachrichten, die 2026 ausgelesen wurden.
Serielle Mehrfachkarte
Eine Erweiterungskarte mit mehreren seriellen Schnittstellen – nötig, um gleichzeitig mehrere Modems zu betreiben. Empire BBS nutzte eine 6-fach-Karte; ausgereizt wurde ihre Kapazität nie.
Recap
Das Austauschen alter Elektrolyt-Kondensatoren auf einer Platine. Bei jahrzehntealten Amigas empfohlen, weil auslaufende Kondensatoren Schäden verursachen – Teil der Restaurierung 2026.
CMOS- / RTC-Batterie
Eine kleine Batterie auf dem Mainboard, die Uhrzeit und Grundeinstellungen hält. Bei jahrzehntealten Amigas läuft sie oft aus und zerfrisst die Platine – der häufigste Grund, warum alte Geräte sterben. Beim A3000T von Empire BBS blieb sie zum Glück dicht. → Vertiefung
BlueSCSI
Ein modernes Gerät, das eine alte SCSI-Festplatte durch eine SD-Karte ersetzt bzw. deren Inhalt zugänglich macht. Damit liessen sich 2026 die Daten der Amiga-Platten sichern, ohne die betagte Original-Hardware zu riskieren. → Vertiefung
WinUAE
Ein Amiga-Emulator für den PC, der einen kompletten Amiga in Software nachbildet. Darin liess sich das gerettete Mailbox-System samt WilhelmTEL wieder starten – der Login-Screen erschien nach 30 Jahren erneut. → Vertiefung

Telefon- & Telekomtechnik

ISDN / Swissnet
Digitaler Telefonanschluss-Standard ab Ende der 1980er/Anfang der 1990er, schneller und stabiler als die klassische analoge Leitung. „Swissnet“ war die Schweizer Bezeichnung/Variante davon.
B-Kanal / D-Kanal
Ein ISDN-Basisanschluss bestand aus zwei Nutzkanälen (B-Kanäle, je 64 kbit/s) für Gespräche oder Daten und einem Steuerkanal (D-Kanal) für die Signalisierung. So konnte man gleichzeitig telefonieren und Daten übertragen.
Kanalbündelung2×64 = 128 kbit/s
Das Zusammenschalten beider ISDN-B-Kanäle zu einer einzigen Verbindung mit 128 kbit/s. Empire BBS nutzte beim nächtlichen Polling beides: einfaches ISDN mit 64 kbit/s (X.75) und – in vielen Sessions – gebündeltes Doppel-ISDN mit 128 kbit/s, was die Post deutlich schneller ins und aus dem Ausland brachte.
X.75
Das Übertragungsprotokoll, über das zwei ISDN-Anschlüsse ihre Daten austauschten. Wo ein Modem auf der analogen Leitung erst mühsam einen Träger aushandeln musste, stellte X.75 auf dem digitalen B-Kanal direkt eine saubere 64-kbit/s-Verbindung her. In den Session-Logs von Empire taucht es als „64000/X.75“ auf – die häufigste Poll-Geschwindigkeit der Mailbox.
Basis- & Primäranschluss
Die zwei ISDN-Anschlussarten. Der Basisanschluss (BA) brachte zwei Sprechwege über ein gewöhnliches Adernpaar – für Haushalte und kleine Büros. Der Primäranschluss (PRA) bot dreissig Sprechwege über eine vieradrige 2-Mbit/s-Leitung – für Firmen und Telefonanlagen. Wichtig war die Neuerung, dass sich die Zahl der Sprechwege und die Rufnummern (in Zehner-, Hunderter- oder Tausenderblöcken) unabhängig voneinander buchen liessen. → Vertiefung
S0-Busim Volksmund S-Bus
Die vieradrige Verkabelung, an die hinter dem Netzabschluss mehrere ISDN-Geräte angeschlossen wurden – bis zu acht konnten sich den Bus teilen. Als echter Bus musste er an seinem Ende sauber abgeschlossen werden, mit 100-Ohm-Widerständen. Das machte die Installation deutlich aufwändiger als eine simple analoge Dose, denn eine durchgezogene Leitung mit Abschluss ist mehr Arbeit als nur zwei Adern anzuklemmen.
U-Schnittstelle (ISDN)
Die digitale Anschlussleitung von der Vermittlung bis zum Netzabschluss (NT) beim Teilnehmer – ein einzelnes Adernpaar, über das der Basisanschluss ins Haus kam. Sie wurde vielfach fälschlich „U-Bus“ genannt, war aber kein Bus: An einer U-Schnittstelle hängt genau ein NT, nicht mehrere Geräte. Erst hinter dem NT beginnt mit dem S0-Bus die eigentliche Bus-Verkabelung.
NT-BA
Das kleine Abschlussgerät am Ende eines ISDN-Basisanschlusses. Es hatte nur die U-Schnittstelle als Eingang und zwei S0-Bus-Ausgänge, sonst nichts – kein Stromanschluss, keine analogen Ports. Für grössere Installationen liess es sich in einer speziellen Rackvorrichtung montieren. Vorläufer-Technik dazu waren digitale Leitungsverdoppler.
NT-2ab
Der grössere Netzabschluss: U-Schnittstelle als Eingang, zwei S0-Bus-Ausgänge und zusätzlich zwei voneinander unabhängige analoge a/b-Schnittstellen, auf denen sich je drei Rufnummern konfigurieren liessen. Er hatte keine PBX-Funktion, brauchte aber Strom – fiel dieser aus, blieb nur ein Notbetrieb über entweder den S0-Bus oder die analogen Schnittstellen.
ISDN-Master (II)
Eine ISDN-Controller-Karte für den Amiga (Hardware von bsc büroautomation AG, Software von Relog AG; Handbuch 3. Ausgabe 1994). Über ihr „bscisdn.device“ verhielt sie sich wie ein Modem – mit AT-Befehlen und kompatibel zum serial.device –, sodass Terminal- und BBS-Software sie direkt nutzen konnten. Mitgeliefert war die Telefonie-Software WilhelmTEL. Bei Empire BBS ab 1992 im Einsatz. → Vertiefung
ZyXEL
Taiwanischer Netzwerk- und Modemhersteller, gegründet 1989 in Hsinchu. Bekannt für besonders hochwertige Modems (die Elite- und U-Serie) und, nach eigener Firmengeschichte, 1995 für das weltweit erste kombinierte Analog/Digital-ISDN-Modem. Dedizierte ISDN-Router folgten später mit der Prestige-Reihe.
ZyXEL Elite 2864I
Ein Kombigerät aus V.34-Analogmodem und ISDN-Terminaladapter in einem Gehäuse – nach ZyXELs eigener Firmengeschichte das erste Gerät dieser Art (um 1995). Am Internetzugang arbeitete es im Dial-on-Demand-Betrieb und wählte selbsttätig, sobald ein Rechner ins Netz wollte. Genau das trieb bei einem Kunden die Telefonrechnung auf 3000 CHF, weil Windows pausenlos im Hintergrund Verbindungen auslöste. → Vertiefung
MSNMehrfachrufnummer
Beim ISDN-Basisanschluss konnten mehrere einzelne Telefonnummern auf einem Anschluss liegen (hier bis zu 10) – jede z. B. für Sprache, Mailbox oder Spass-Hotline separat nutzbar. Jede Nummer wird einzeln vergeben, nicht als Block. Das VoIP-Gegenstück dazu ist die SIP-Line.
DDIDirect Dialling In / Durchwahl
Am Anlagenanschluss (Primäranschluss) die Durchwahl: Statt einzelner Nummern bekam die Telefonanlage einen ganzen Rufnummernblock, etwa 100 oder 1000 aufeinanderfolgende Nummern, und verteilte die Durchwahl intern selbst auf die Nebenstellen. So liessen sich viele Nummern über wenige Leitungen führen. Das VoIP-Gegenstück dazu ist der SIP-Trunk.
PBXTelefonanlage
Die firmeneigene Telefonanlage (englisch Private Branch Exchange). Sie verbindet die internen Apparate untereinander und mit dem öffentlichen Netz. → Vertiefung
Leitungsverdoppler
Ältere Technik, die auf einer einzigen physischen Leitung zwei Telefonanschlüsse ermöglichte – eine Vorstufe zur Idee des ISDN-Netzabschlusses (NT-BA).
GA-RelaisGemeinschaftsanschluss-Relais
Älteres, rein analoges Schaltrelais, mit dem zwei Teilnehmer mit zwei verschiedenen Nummern dieselbe physische Leitung nutzen konnten – schaltete je nach Polarität um und sperrte dabei jeweils den zweiten Anschluss.
a/b-Adern
Die zwei Kupferdrähte einer klassischen analogen Telefonleitung („a“ und „b“). Über dieses simple Adernpaar liefen Sprache, Wählton und Klingelsignal – die „zu dünnen Drähte“, die anfangs wenig spannend wirkten.
TT83-Dose
Der modernere Nachfolger der alten, klobigen, aber grundsoliden 4-Loch-Dose. Sie liess sich auf zwei Stecker ausbauen, die sich arretieren und codieren liessen, damit man die beiden Anschlüsse nicht vertauscht einsteckte. In der Praxis war sie allerdings nicht besonders stabil, und die Codierung liess sich aushebeln: Brach man die kleine Verwechslungshilfe am Stecker aus, passte er auch verkehrt herum hinein – dann funktionierte die Leitung nicht mehr. Das sorgte für zahlreiche Supportfälle. → Vertiefung
Analoge Wählleitung
Die klassische Telefonleitung, bei der für jedes Gespräch eine Verbindung neu aufgebaut („gewählt“) wird. Grundlage der frühen Modem- und Mailbox-Zeit, bevor ISDN und DSL kamen.
ImpulswahlIWV / Pulswahl
Das älteste Wählverfahren: Für jede Ziffer wird die Leitungsschleife entsprechend oft kurz unterbrochen – die 3 dreimal, die 0 zehnmal, im Takt von rund zehn Impulsen pro Sekunde. Zwischen den Ziffern braucht es eine kurze Pause; wartet man zu wenig, verschmelzen zwei Ziffern zu einer. Dasselbe Unterbrechen macht auch der Gabelkontakt eines Telefons – weshalb man in alten Telefonkabinen und mit einem Prüfhörer von Hand „wählen“ konnte. → Vertiefung
FrequenzwahlMFV / DTMF / Tonwahl
Das modernere Wählverfahren: Jede Taste sendet zwei überlagerte Töne gleichzeitig (englisch Dual-Tone Multi-Frequency). Deutlich schneller und zuverlässiger als die Impulswahl – und die Voraussetzung dafür, dass man Telefonmenüs, Anrufbeantworter-Fernabfragen und ähnliche Dienste per Tastendruck steuern konnte. → Vertiefung
Blueboxing
Ein Trick aus der frühen Telefonwelt: Mit nachgebildeten Steuertönen (klassisch der 2600-Hz-Ton) liess sich die Vermittlungstechnik überlisten, etwa um kostenlos zu telefonieren. Verwandt im Geist ist die Fernabfrage früher Anrufbeantworter, die ebenfalls über Töne (Frequenzwahl) gesteuert wurde.
Anrufbeantworter-Fernbedienung
Ein kleiner Tongeber, der die Töne der Frequenzwahl (DTMF) abspielte. Man hielt ihn an das Mikrofon des Hörers – also an die Sprechseite, nicht an die Hörmuschel – und konnte so seinen Anrufbeantworter aus der Ferne abhören, sogar von einem Telefon, das selbst nur Impulswahl beherrschte. Weil das Gerät einfach DTMF-Töne erzeugte, liess sich damit auch anderes anstellen, als der Hersteller vorsah. → Vertiefung
Rückauslösung
Die Regel, wer eine Telefonverbindung beenden darf. Bei der alten analogen Technik blieb die Leitung so lange bestehen, bis der Anrufer auflegte – legte nur der Angerufene auf, blieb die Verbindung (und damit dessen Leitung) belegt. Erst die spätere beidseitige Auslösung sorgte dafür, dass das Auflegen einer Seite die Verbindung sicher trennte. → Vertiefung
Teletester
Ein unscheinbares, aber zentrales Werkzeug der analogen Telefontechnik – im Grunde ein kleiner Prüfhörer, mit dem man sich auf eine Leitung schaltete, um sie zu suchen und zu identifizieren. Hochohmig eingestellt zeigte eine Diode das Klingelsignal an, ohne die Leitung zu belasten; niederohmig hörte man über den Lautsprecher in die Leitung hinein. Das Antippen der Prüfkontakte wirkte dabei wie ein Gabelkontakt – man konnte also von Hand mit Impulswahl „wählen“. An einer solchen Testnummer hing auch der legendäre Beavis-&-Butt-Head-Soundmix. → Vertiefung
X.25 / Telepac
Frühe Datenübertragungstechnik für Firmen, Vorläufer moderner Datennetze, in der Schweiz unter dem Namen „Telepac“ angeboten. Anders als beim Modem wurde nicht eine feste Leitung durchgeschaltet, sondern die Daten in kleine Pakete zerlegt und einzeln durchs Netz geschickt – bezahlt wurde nach Datenmenge, nicht nach Verbindungsdauer.
X.31 (Daten im D-Kanal)X.25 über den D-Kanal
Der D-Kanal eines ISDN-Anschlusses überträgt eigentlich nur die Signalisierung und ist dabei meist unausgelastet. Diese Reserve liess sich für paketvermittelte Daten (X.25/Telepac) mitnutzen, ohne einen der teuren B-Kanäle zu belegen. Genau das war lange als „grosse Zukunft“ des D-Kanals angekündigt – im Endkundenmarkt kam es nie an, weil die paar Kilobit für Privatanwender unattraktiv waren und bald ADSL folgte. Real und breit genutzt wurde es hingegen im Hintergrund: Kartenzahlungs-Terminals im Laden etwa hielten so eine dauernde, günstige Verbindung zum Autorisierungsrechner, ganz ohne Wählverbindung – dazu Alarmanlagen, Automaten und andere Telemetrie.
Telex
Ein älteres, weltweites Netz für Fernschreiben – Textnachrichten zwischen Fernschreibmaschinen, lange vor Fax und E-Mail. Die Nachricht wurde auf einem Lochstreifen aus Papier vorbereitet: Jedes Zeichen entsprach einem Muster aus Löchern. War der Streifen fertig, lief er durch den Leser und die Nachricht ging in einem Zug über die Leitung – das sparte teure Verbindungszeit gegenüber dem direkten Tippen. Am anderen Ende druckte der Fernschreiber den Text auf einen Papierstreifen oder eine Rolle. Fernschreiber gehörten mit zum Arbeitsalltag in der Telefontechnik.
ADSL / VDSL
Technologien, mit denen über die normale Telefonleitung erstmals dauerhafte, schnellere Internet-Standleitungen möglich wurden – Vorstufe zum heutigen Glasfaser-Internet.
Standleitung
Eine dauerhaft geschaltete Verbindung zwischen zwei Punkten, die nicht jedes Mal neu gewählt wird – Grundlage erster „immer online“-Internetzugänge für Firmen ab Mitte/Ende der 1990er.
Glasfaser / FTTH
Datenübertragung per Lichtleiter statt Kupfer – heutiger Standard für schnelle Anschlüsse, mit Geschwindigkeiten bis in den zweistelligen Gigabit-Bereich. Das Ende einer technischen Reise, die beim 2400-Baud-Modem begann.
VoIP / SIP
Telefonie über das Internet-Protokoll: Statt über eigene Leitungen laufen Gespräche als Datenpakete, gesteuert über das SIP-Protokoll. VoIP löste ISDN als Anschlusstechnik ab – das Prinzip aber blieb: Sprechwege und Rufnummern (samt Nummernblöcken) bucht man weiter unabhängig voneinander, heute eben beim SIP-Anbieter.
SIP-Line
Im VoIP eine einzelne Rufnummer mit eigener Registrierung beim Anbieter – man bucht so viele Lines, wie man Nummern braucht. Sie ist damit das moderne Gegenstück zur ISDN-MSN, nur eben über das Internet statt über eine eigene Leitung.
SIP-Trunk
Im VoIP ein Bündel für Telefonanlagen: ein Sammelanschluss mit einem ganzen Rufnummernblock und mehreren gleichzeitigen Gesprächskanälen. Die Anlage verteilt die Durchwahl intern selbst. Der SIP-Trunk ist damit das moderne Gegenstück zum ISDN-DDI am Primäranschluss.
Videotex (in der Schweiz „Tex“)
Frühe Vorform interaktiver Online-Dienste über ein spezielles Terminal, u. a. für erste Online-Banking-Anwendungen genutzt – lange vor dem heutigen Internet-Banking.
PTT / Swisscom
Die PTT war der staatliche Schweizer Monopolbetrieb für Post und Telefon. 1998 wurde der Fernmeldeteil zur Swisscom (und die Post eigenständig). Über die PTT lief 1991 die frühe Online-Überweisung.
Telegiro PTT
Der elektronische Zahlungsverkehrsdienst der damaligen PTT (Post- und Telefonbetrieb). Über ein Videotex-Terminal lief darüber 1991 meine erste eigene Online-Überweisung – Jahre vor verbreitetem Online-Banking.
WilhelmTEL
Die Telefonie-Software zum ISDN-Master II (von Relog AG). Sie verwandelte den Amiga mit passendem Hörer in ein vollwertiges ISDN-Komforttelefon mit Anrufbeantworter – inklusive Telefonbuch, Gebührenabrechnung, Gesprächsmitschnitt und einem eigenen, frei wählbaren Klingelton pro MSN (jede Rufnummer einzeln ein-/ausschaltbar). Ich war einer ihrer Beta-Tester. → Vertiefung