Technik im Detail · Die Mailbox-Software

Die Mailbox-Software

Eine Mailbox ist so gut wie ihre Software. Sie regelt Login, Menüs, Foren, Datei-Bereiche und die Anbindung an die Netze. Empire BBS lief über die Jahre auf drei verschiedenen BBS-Programmen für den Amiga, und jeder Wechsel erzählt ein Stück der Geschichte.

Paragon: der Traktor (ab 1991)

Den Anfang machte 1991 Paragon, geschrieben von Jon Radoff (Inner Circle Software), ursprünglich vom Atari ST auf den Amiga portiert. Für mich war es der Traktor: nicht schön, aber es lief und lief. Damit ging Empire BBS auf dem Amiga 2000 in Betrieb, die erste Ausbaustufe, auf der alles Weitere aufbaute.

AmiExpress: der Underground (kurze Episode)

Es folgte eine kurze, aber reizvolle Phase mit AmiExpress, auch „/X“ genannt, von Michael Thomas (Synthetic Technologies) und dem PC-Vorbild PCBoard nachempfunden. Es war das Programm der Warez- und Cracker-Szene. Die Gruppe „Analog“ wünschte sich Empire als europäisches Hauptquartier (EHQ), die Mailbox wurde dafür sogar in einer Amiga-Demo erwähnt. Nach zwei, drei Monaten war die Episode wieder vorbei.

Ab 1992/93 lief Empire BBS schliesslich auf Xenolink von Jonathan Forbes (Xenomiga Technology, Kanada), einem der ersten kommerziellen Amiga-BBS-Programme, das Fidonet und Übertragungsprotokolle bis Z-Modem beherrschte. Nach dem Traktor und dem Underground war Xenolink das elegante Schwarze, aufgeräumt und alltagstauglich. Ich war Beta-Tester und kannte es entsprechend gut. Es prägte das Gesicht der Mailbox in ihrer reifsten Phase, bis zum Ende 1999.

Die Schaltzentrale

Das Herz der Bedienung war der System Overseer. Oben standen die Leitungen mit ihrem Zustand, unten lag die Schaltzentrale des Sysops: Login, Poll, Konfiguration, Terminal, Herunterfahren. Im Normalfall stand dort nur ein Wort, und darauf lief alles hinaus: Awaiting call.

Der Xenolink System Overseer von 1996: eine Liste der Nodes mit Node 0 im Zustand „Awaiting call“ und den Nodes 1 bis 4 offline, darunter Schaltflächen für Node-Status, Login, Poll, Konfiguration und Herunterfahren.
Der System Overseer. Node 0 wartet auf einen Anruf, die übrigen Leitungen sind offline.

Die Benutzerverwaltung

Hinter jedem Anrufer lag ein Datensatz. Der User-Editor zeigte, wie kleinteilig eine Mailbox verwaltet wurde: erster und letzter Anruf, Anrufe pro Tag, ein Tageslimit, Restminuten, Zugriffsrechte auf die Doors und ein Zugriffslevel. Letztere trugen bei uns Fantasienamen, hier etwa 30 McChicken.

Der Benutzer-Editor von Xenolink: Eingabefelder für Name, Alias, Ort und Telefonnummern (hier unkenntlich gemacht), Datum des ersten und letzten Anrufs, Zugriffslevel und eine Reihe von Optionsfeldern wie Expert, Validated oder ANSI comp.
Der User-Editor. Die persönlichen Angaben sind unkenntlich gemacht, alles Übrige zeigt den Originalzustand.

Diese Screenshots stehen wie alles hier unter CC0 und dürfen frei verwendet werden. Weitere Bilder sammeln sich unter Impressionen.

Genau deshalb ist Xenolink heute der Schlüssel zur Rekonstruktion: Auf der 2026 ausgelesenen Festplatte lag das komplette Xenolink-System der Mailbox, samt rund 34 000 Nachrichten. Daraus entstand die browserbasierte Demo, so nah am Original, weil die Originaldaten die Vorlage waren.