Telefonie · Leitungen & Dosen

Leitungen & Dosen

Bevor Daten durch Glas rasten, liefen sie durch ein Kupfer-Adernpaar an der Wand. Wie das Telefon dort ankam, hat sich mehrmals gewandelt. Jede Generation löste Probleme der vorigen und schuf neue.

Stecker & Dosen

Die 4-Loch-Dose war die alte Schweizer Anschlussdose. Sehr robust, aber auch ziemlich klobig. Sie hielt sich erstaunlich lange.

Die ADo 8 war die achtpolige Anschlussdose für den Fernschreiber. Alle Fernschreiber endeten auf diesem genormten 8-poligen Stecker, in Gebrauch etwa von den 1960ern bis in die 1980er.

Der TT83-Stecker von Reichle & De-Massari war deutlich moderner, mit sechs Kontakten. Qualitativ leider nicht optimal. Kunden hatten oft Mühe, den Stecker ganz einzustecken, oder steckten ihn verkehrt herum ein, dann ging gar nichts.

RJ45 schliesslich war offiziell gar nicht fürs Telefon gedacht, sondern kam erst mit ISDN. Er beendete das Steck-Elend endlich.

Vom Löt- zum VS83-Verteiler

Im Verteiler wurden die Adern früher von Hand angelötet, Draht für Draht. Ab 1983 kam der VS83-Verteiler, auch von Reichle & De-Massari, mit Schneidklemmen: Das Anlegewerkzeug presste den noch isolierten Draht in die Schneid-Klemm-Kontakte – deren Klingen durchtrennten dabei seitlich die Isolation und stellten den Kontakt her – und schnitt in derselben Bewegung den überstehenden Draht ab. Kein Löten und kein Abisolieren mehr. Das Prinzip entspricht der bekannten LSA-Technik; die etwas andere Form des einpressenden Werkzeugteils machte es zu einem Schweizer Tool. Dieselbe Firma und dasselbe Jahr wie beim TT83-Stecker.

VS83-Aufschaltwerkzeug – das Anlegewerkzeug, das den Draht in die Schneidklemmen presste und den Überstand abschnitt.
Das VS83-Aufschaltwerkzeug: Draht einpressen, Isolation durchtrennen, Überstand abschneiden – in einer Bewegung.

Die Hausinstallation im Wandel

Am schönsten lässt sich der Fortschritt an einer simplen Frage ablesen: Wie viele Anschlüsse brauchte ein Haushalt? Diese Zahl pendelte über die Jahrzehnte hin und her, immer im Takt der neuen Technik.

Früher stand ein einziges Telefon im Gang an der Wand, für die ganze Familie. Dann kam der Luxus: in jedem Zimmer eine Dose, parallele Apparate überall. Das Funktelefon drehte den Trend wieder um. Plötzlich reichte eine Basisstation, das schnurlose Gerät ging überallhin mit.

Mit ISDN kehrte sich das erneut: wieder viele, aufwändige Installationen für den S0-Bus. Dann kam WLAN, und die Dosen wurden wieder weniger. Und zuletzt die Glasfaser mit Cat-6-Verkabelung, für ein Gigabit und mehr wieder richtig verdrahtet. Ein ständiges Hin und Her zwischen „alles verkabelt“ und „möglichst drahtlos“, je nachdem, was die Technik gerade hergab.

Geteilte Leitungen: das GA-Relais

Als die Nachfrage nach Anschlüssen stieg, gab es zeitweise weniger Leitungen als Bedarf. Dann versorgte eine einzige Leitung zwei völlig verschiedene Teilnehmer, jeder mit seiner eigenen Rufnummer, etwa im Mehrfamilienhaus oder in der Nachbarschaft. Das nannte sich Gemeinschaftsanschluss.

Gesteuert wurde das über die Polarität aus der Zentrale. Je nach Polung der Leitung sprach das GA-Relais beim Kunden den einen oder den anderen Teilnehmer an. Solange der eine telefonierte, war der andere gesperrt. So kam niemand dem anderen in die Leitung, und mithören ging auch nicht. Für die Betroffenen war das spürbar. Telefonierte der eine Nachbar, war beim anderen das Telefon tot.

Die digitale Nachfolge war der Leitungsverdoppler: eine digitale Leitung am Eingang, zwei analoge Ausgänge mit je eigener Nummer. Eine Vorstufe zur Idee des ISDN-Netzabschlusses.