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Am Apparat selber lässt sich die ganze Entwicklung ablesen, vor allem an einer Frage: Wie wählte man eine Nummer? Von der Scheibe über die Taste bis zum digitalen Komfortgerät.

Von der Wählscheibe zum Tastentelefon

Der Klassiker war das Modell 70, das die PTT ab 1977 vermietete. Ein Wählscheiben-Telefon mit Impulswahl, robust und überall zu Hause. Es prägte die 70er und 80er.

Dann kam die Tritel-Serie, ein Gemeinschaftswerk von Autophon, Gfeller und Zellweger, den späteren Ascom-Firmen. Sie brachte die Tastenwahl ins Haus und liess sich zwischen Impulswahl und der neuen Tonwahl (DTMF) umschalten. Der Übergang von der Scheibe zur Taste in einem Gerät.

Wie eine Nummer entstand: Impuls- und Frequenzwahl

Hinter „Scheibe“ und „Taste“ stecken zwei grundverschiedene Verfahren, eine Nummer zu übermitteln. Die Impulswahl(IWV) ist die ältere: Für jede Ziffer wird die Leitung entsprechend oft kurz unterbrochen – die 3 dreimal, die 0 zehnmal, im Takt von rund zehn Unterbrechungen pro Sekunde. Genau das tat die Wählscheibe beim Zurückschnurren. Zwischen zwei Ziffern braucht es eine kurze Pause; wartet man zu wenig, verschmelzen sie zu einer falschen Ziffer.

Das Feine daran: Dieses Unterbrechen macht auch der Gabelkontakt, also der Knopf, den der aufgelegte Hörer niederdrückt. Wer im richtigen Takt darauf tippte, konnte ganz ohne Wählscheibe wählen – ein Trick, mit dem man früher in mancher Telefonkabine auch bei blockierter Scheibe zum Ziel kam. Dasselbe Prinzip machte den Teletester der Telefontechniker nebenbei zum Wählgerät.

Die Frequenzwahl (MFV oder DTMF) löste sie ab: Jede Taste sendet zwei überlagerte Töne gleichzeitig, die die Vermittlung eindeutig einer Ziffer zuordnet. Schneller, zuverlässiger – und die Voraussetzung dafür, dass man später Telefonmenüs, Anrufbeantworter und andere Dienste per Tastendruck aus der Ferne steuern konnte.

ISDN-Komforttelefone

Mit ISDN wurden die Apparate digital und komfortabler: Display, Anruferliste, mehrere Verbindungen gleichzeitig. Bei Ascom hiessen sie Crystal sowie Rubin 30 und Rubin 40. Das Crystal diente zugleich als Systemtelefon, über das man die Ascotel-Anlagen programmierte.

Ascom Crystal – ISDN-Systemtelefon mit Display, das zugleich zur Programmierung der Ascotel-Anlagen diente.
Das Ascom Crystal: ISDN-Komforttelefon und zugleich Systemtelefon zum Programmieren der Ascotel-Anlagen.
Anekdote: der verwirrte Nachtanrufer

Weil ich schon früh einen ISDN-Anschluss hatte, sah ich auf dem Crystal die Nummer des Anrufers – lange bevor das zum Standard wurde. Eines Nachts um zwei rief jemand mehrmals an und legte jedes Mal auf, sobald ich rangegangen bin. Ich war ohnehin an der Mailbox, also halb so wild – aber irgendwann nervte es. Ich rief die Nummer einfach zurück und bat die Person, es zu unterlassen, andere um diese Zeit zu stören. Sie war völlig perplex: Woher ich denn ihre Nummer hätte? Rufnummernübermittlung – das kannte damals kaum schon jemand.

Schnurlos: die ersten Funktelefone

Die ersten schnurlosen Geräte kamen noch analog, nach dem CT1-Standard, dem Vorläufer von DECT. Von der Telecom PTT gab es etwa das Soloturn mit ausziehbarer Metallantenne, und später das kleinere Mesocco zum Aufklappen. Statt in jedem Zimmer eine Dose brauchte es nur noch eine Basisstation, den Rest erledigte der Funk.

Ein Detail, das heute kaum jemand mehr bedenkt: Weil CT1 analog funkte, liess es sich mit einem simplen Funkscanner problemlos abhören. Wer in der Nachbarschaft mithören wollte, brauchte kaum mehr als ein Radio. Erst das digitale DECT brachte eine Verschlüsselung und machte damit Schluss. Dass die sich Jahre später als schwach erwies, ist eine andere Geschichte.

Anekdote: die vergessene Dankbarkeit

Als der Hype um die schnurlosen Telefone losging, installierte ich fast täglich welche. So auch bei einer älteren Dame. Ich steckte alles an und erklärte ihr die Funktionen – damals waren das Wählen, Wiederwahl und ein paar Nummern speichern. Sie bedankte sich und drückte mir für die Erklärung eine Zwanzigernote in die Hand. Zurück im Büro, keine zehn Minuten später, fragte mich mein Kollege, was denn da los gewesen sei. „Wieso?“ Die Dame habe angerufen und sich beschwert, ich sei gegangen, ohne ihr das Telefon zu erklären. Ich fragte nur trocken, ob ich ihr das Trinkgeld zurückbringen solle – das war schliesslich für die Schulung.