Technik im Detail · Modems
Modems
Ein Modem verwandelte Computerdaten in Töne und wieder zurück, damit sie über die Telefonleitung passten. Sein Pfeifen und Rauschen beim Verbindungsaufbau war der Sound einer ganzen Ära. Und seine Geschwindigkeit war die harte Währung jeder Mailbox.
Der Anfang: Supra 2400
Angefangen hat es 1989 mit einem Supra 2400. Das war ein günstiges Modem mit 2400 Baud, das ausgerechnet auf einer Grillparty zum ersten Mal an die Leitung kam. In derselben Zeit entstand auch der Nick „Gorbi“. Schnell war das nicht. Eine einzige hochauflösende Foto-Datei hätte damit viele Minuten gebraucht. Aber es funktionierte, und es war der Einstieg in die Online-Welt.
Die erste Einwahl war ein Abenteuer für sich. Am Modem hing ein Kabel, aus dem nur ein roter und ein grüner Draht schauten – meine erste Begegnung mit einer Telefondose. Ich klemmte die beiden Adern an die damalige 4-Loch-Dose, öffnete JR-Comm und wählte mich zum ersten Mal ein – in die AUGL-Mailbox. Es war die Leitung meiner Eltern: Hob jemand den Hörer ab, rauschte das Modem – was keiner Seite gefiel.
→ Die ganze Geschichte: Der erste Kontakt
Das Arbeitstier: USRobotics Courier
Wer eine Mailbox betrieb, brauchte robuste, schnelle Modems. Die kamen fast zwangsläufig von USRobotics. Das erste Courier mit 9600 bps kostete stolze 1000 CHF; über die Jahre folgten 14 400 und 28 800 bps Leitungsrate. Die serielle Schnittstelle zum Amiga lief mit bis zu 38 400 bps, mit Datenkompression näherte sich der Durchsatz dem an. Die Courier galten als unverwüstlich und liefen bei Empire BBS gleich in mehreren Exemplaren an einer 6-fach-Serialkarte.
Ein Kürzel taucht dabei immer wieder auf: HST. Das war ein herstellereigenes Hochgeschwindigkeitsverfahren von USRobotics. „Dual Standard“-Modems beherrschten HST und den offiziellen Standard, also eine CCITT-Norm wie V.32bis. Die CCITT war die damalige internationale Normierungsstelle für Telefontechnik, heute ITU-T. Genau diese Feinheiten musste man kennen, denn zwei Modems verstanden sich nur, wenn sie ein gemeinsames Verfahren fanden.
Wie die Szene das katalogisierte
Wie sehr diese Modem-Kürzel zum Alltag gehörten, zeigt die Legende der DreamList: Das Schweizer Mailbox-Verzeichnis erklärte seinen Lesern penibel, welche Abkürzung für welches Protokoll stand.
BAUD | Um die Liste auch weniger versierten Usern zugaenglich zu machen
| befinden sich in der vorderen Spalte nur die CCITT-Normen sowie
| die gebraeuchlichsten "Fremd-Protokolle":
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| 2.4 - max. V.22bis
| 9.6 - max. V.32
| 14.4 - max. V.32bis
| 28.8 - max. V.34
| HST - max. V22bis sowie US Robotics HST-Protokoll
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| In der letzten Spalte weitere Infos zu Modems mit Fremdprotokollen:
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| USREV- USRobotics 28.8 V.Everything
| DUAL - USRobotics DUAL
| USR21- USRobotics Courier 21600Wie schnell war das?
Und was hiess das in Zahlen? Hier die reine Geschwindigkeit, jeweils in ihrer damaligen Einheit und in Mbit/s zum Vergleichen.
Der Balken ist logarithmisch. Auf einer normalen Skala wären die Modems neben der Glasfaser gar nicht mehr zu sehen.
Die Geräte

SupraModem 2400Mein erstes Testmodem von 1989. 2400 Baud. 
USRobotics Courier HSTMein Arbeitstier, 9600 bps. Gleich in mehreren Exemplaren im Einsatz.