Technik im Detail · Die Datenrettung

Die Datenrettung

Alles, was auf dieser Seite zu sehen ist – die Original-Screens, die Infos, die rund 34 000 Nachrichten, die Demo –, verdankt sich einer eher beiläufigen Idee im Jahr 2026. Ein grosses Projekt war nie geplant.

Der Anlass

Eigentlich wollte ich nur zweierlei: den Login-Screen der Empire BBS wieder einmal sehen und die Amigas aufbereiten, die rund 30 Jahre im Keller gelegen hatten. Weitergeben ja, wegwerfen kam nicht infrage. Warum daraus eine ganze Website wurde, steht unter Über mich.

Die auslaufende Batterie

Beim Durchsehen ging es vor allem um einen berüchtigten Übeltäter: die CMOS-Batterie, die bei alten Amigas gern ausläuft und die Platine zerfrisst. Das Ergebnis war gemischt. Der Amiga 3000T kam mit einem blauen Auge davon – seine Batterie war intakt geblieben. Die beiden Amiga 2000 hatte es dagegen erwischt. Neben diesen Geräten warteten im Keller ausserdem noch ein Amiga 500 und ein Commodore C128D.

Zerlegen, reinigen, auslesen

Den A3000T habe ich vollständig zerlegt und gründlich gereinigt. Für die Daten kam BlueSCSI zum Einsatz – ein moderner Ersatz, der eine alte SCSI-Platte über eine SD-Karte zugänglich macht. So konnte ich die Festplatten-Inhalte sichern, ohne die betagte Original-Mechanik weiter zu strapazieren.

Drei alte SCSI-Festplatten von Conner, Seagate und Quantum, über ein Flachbandkabel mit einem BlueSCSI-Adapter verbunden, daneben ein PC-Netzteil zur Stromversorgung.
Der Aufbau zum Auslesen: die drei Platten am BlueSCSI-Adapter, mit Strom versorgt von einem gewöhnlichen PC-Netzteil.

Drei Platten, drei Aufgaben

Das System verteilte sich auf drei SCSI-Festplatten. Jede hatte ihre eigene Rolle, und jede stammte aus einer anderen Zeit.

Zwischen der ältesten und der jüngsten Platte liegen gut fünf Jahre Entwicklung. Am deutlichsten zeigt sich das an der Zugriffszeit: Die Seagate brauchte 28 Millisekunden, die Quantum nur noch 11. Und bei der Kapazität lagen zwischen 85 MB und einer halben Gigabyte Welten.

Die Seagate: lauter als erwartet

Beim ersten Start der Seagate klang es, als wollte mich der Lesekopf anspringen. Der ganze Tisch vibrierte. Nach etwa fünfzehn Sekunden war sie hochgefahren, und die LED am BlueSCSI begann zu blinken. Nach drei Minuten erlosch sie wieder. War das etwa schon alles?

Gespannt öffnete ich das Abbild auf der SD-Karte. Die ganze Platte war ausgelesen. Bei 85 MB geht das eben schnell.

Die Conner: zwölf Minuten fürs Herzstück

Danach folgte die Conner. Sie brauchte rund zwölf Minuten. Auch diese Daten liessen sich anschliessend lesen. Damit war das Wichtigste gerettet, das komplette laufende System der Mailbox.

Die Quantum: der Wermutstropfen

Bei der Quantum hatte ich von Anfang an ein komisches Gefühl. Sie war zwar die jüngste der drei Platten. Quantum galt damals aber nicht als High End, die Dinger fielen gern einmal aus.

So kam es dann auch. Auslesen liess sich kaum etwas, auch nach mehreren Versuchen nicht. Verschmerzbar, denn darauf lagen nur die Programme aus dem Upload- und Download-Bereich. Die Nachrichten und das System selbst waren zu diesem Zeitpunkt längst in Sicherheit.

Es gibt einen bekannten Trick: Man öffnet die Platte und ersetzt ein Kunststoffteil, damit der Lesekopf wieder frei kommt. Gewagt habe ich es bisher nicht.

Wieder zum Leben erweckt

Die Abbilder von der SD-Karte wanderten auf den Windows-Rechner. Nach etwas Fummelei liessen sie sich in WinUAE öffnen, einem Amiga-Emulator. Unglaublich: Das ganze System war da.

Ich konnte zusehen, wie der Amiga der Reihe nach seine Assigns setzte. Dann stand es auf dem Schirm: ACHTUNG! DIE EMPIRE-MAILBOX WIRD AUTOMATISCH GESTARTET!

AmigaDOS-Fenster beim Systemstart: Copyright-Zeilen von Commodore-Amiga und ARexx, darunter die Meldung „ACHTUNG! DIE EMPIRE-MAILBOX WIRD AUTOMATISCH GESTARTET!“ und „OK, die Assigns sind gemacht!“.
Der Moment nach dreissig Jahren. Darunter quittiert das System die Zuweisungen mit „OK, die Assigns sind gemacht!“. Eine fehlende Datei stört es nicht weiter.

Dahinter steckt ein simples Startup-Script. Es setzt der Reihe nach die Namen, unter denen die Mailbox ihre Verzeichnisse findet, und startet am Ende den Mailer.

Der Texteditor CED mit der Datei xeno190-startup: eine lange Liste von Assign-Befehlen, die Namen wie XenoLink:, MSG:, DOORS: oder XFIDONET: auf Verzeichnisse legen, gefolgt von PATH-Zeilen und dem Start von TrapDoor.
Das originale Startup-Script xeno190-startup. Jede Zeile legt einen Namen auf ein Verzeichnis, zuletzt startet der Mailer TrapDoor.

Ein paar Sekunden später war der System Overseer von Xenolink im Bild, die Überwachungsanzeige der laufenden Mailbox. Sie zeigte, was sie dreissig Jahre lang gezeigt hatte: Awaiting call.

Der Xenolink System Overseer von 1996: eine Liste der Nodes mit Node 0 im Zustand „Awaiting call“ und den Nodes 1 bis 4 offline, darunter Schaltflächen für Node-Status, Login, Poll, Konfiguration und Herunterfahren.
Der System Overseer: oben die Leitungen mit ihrem Zustand, unten die Schaltzentrale des Sysops.

Danach meldete sich WilhelmTEL zu Wort und motzte, dass die ISDN-Master nicht zu finden sei. Verständlich, die Karte steckte ja nicht mehr im Rechner.

Anschliessend habe ich sämtliche Daten auf das Windows-System kopiert. Von dort liessen sie sich mit Hilfe einer KI auslesen, die Informationen rekonstruieren und in Teilen nachbauen. Der Login-Screen, den ich eigentlich nur kurz wiedersehen wollte, war damit wieder da.

Aus einem Wunsch wird ein Zeitdokument

Aus dieser Rettung stammt die gesamte Grundlage dieser Seite: die authentischen Screens, die rund 34 000 Nachrichten aus den Betriebsjahren und die browserbasierte Demo. Die Printscreens des in WinUAE wiederbelebten Amiga stehen unter Impressionen.